Sonntag, 31. März 2013

Ried - Rapid 3:2 (2:1)

Bundesliga, 27. Runde, 30.3.2013
Stadion Ried, 6.200

Gut nach dem frühen Rückstand zurückgekommen und nicht aufgegeben. Das war das Positive. Sonst war das einfach spielerischer Leerlauf und defensiver Slapstick bei den Toren, v.a. natürlich beim zweiten.
Es tut mir weh, ein Idol meiner Jugend nun als Trainer bei Rapid scheitern zu sehen. Es ist nicht leicht, die vielen verletzenden Beschimpfungen zu hören, da ich Peter Schöttel als Person respektiere und schätze. Ich hatte immer wieder Hoffnung. Aber wenn am Ende des zweiten Trainerjahres eine Perspektive nicht mehr erkennbar scheint und das Konzept nur in wenigen Sternschnuppenspielen aufgeht, aber ansonsten nicht auf den Boden zu bringen ist, gilt das alte Gesetz: Die Wahrheit liegt auf dem Platz.
So leid es mir tut. Und es tut mir wirklich leid.
Einen schönen Fußballnachmittag gab es zuvor im nahen Mehrnbach.























Mehrnbach - Lohnsburg 2:3 (2:2)

Oberösterreich, 2. Liga West, 15. Runde, 30.3.2013
Sepp-Weidlinger-Stadion, 110

Ein für die achte und letzte Liga gutes Match, das vor allem mit Spannung und Dramatik, aber auch mit schönen Toren blendend unterhielt. Es gab manch ruppige Szene und manch hitziger Kommentar wurde zwischen Heim- und Gästeanhängern gewechselt. Die als Tabellenführer gekommenen Gäste vom FC Union Lohnsburg sahen sich mit engagierten Mehrnbachern konfrontiert, die auch in Unterzahl stets ebenbürtig waren. Das späte Siegestor in der 89. Minute fiel eigentlich gegen den Spielverlauf.
Die Union Mehrnbach wurde 1966 im gleichnamigen Innviertler Ort gegründet. Größte Vereinserfolge waren die Aufstiege 1979 und 2005, denen aber wieder die Rückkehr in die 2. Klasse bzw. heute 2. Liga folgten. Der Sportplatz ist nach dem heute 93-jährigen Josef Weidlinger benannt. Er ist seit der Gründung dabei und Funktionär, ab 1986 war er Obmann und ist heute (Ehren-)Präsident. Eindruck macht die Tribüne, die auf der Böschung mit Bänken und dem vorgezogenen Dach des 1986/87 errichteten Kabinenhauses geschaffen wurde.
Ersatzbänke und Coaching Zone im klassischen Sinne gibt es nicht: Betreuer und Ersatzspieler nehmen auf der untersten Sitzreihe der Tribüne Platz.
Anschließend ging es ins benachbarte Ried im Innkreis.































Freitag, 29. März 2013

When Saturday Comes, 314


Rezension


When Saturday Comes
The Half Decent Football Magazine
Issue 314, April 2013
46 S.







Eine interessante kleine Geschichte des Fanschals liefert Neil Andrews. Denn während dessen Verwendung hierzulande höchstens 50 Jahre zurückreicht − im Rapideum ist der wohl älteste Rapid-Schal aus den 1960er Jahren samt englischem Vorbild zu sehen − trägt man auf der Insel Schals bereits mehr doppelt so lang: „By the turn of the century scarves were commonplace at football grounds but it wasn't until after the First World War that the iconcic two-coloured bar pattern grew in popularity.“ In den späten 1960er Jahren entdeckten britische Vereine das Merchandisingpotential und verkauften industriell hergestellte Schals als offizielle Vereinsprodukte − noch lange Jahrzehnte später strickten diese bei uns hauptsächlich von ihren Söhnen genervte Mütter.

Dazu gibt es im Heft u.a. über einen 25-Jährigen Ecuadorianer zu lesen, der es nach unerfolgreicher Karriere in seinem Heimatland als vorgeblich 17-jähriger Peruaner unter neuem Namen in Peru versuchte. Es schien zu funktionieren, bis er ausgerechnet bei einem Jugendländerspiel seiner alten gegen seine neue Nation von einem Jugendtrainer im Fernsehen erkannt wurden. Anderer Schauplatz, anderes Thema: Nicht überraschend, aber schon sehr erschreckend ist die hier berichtete, aus brasilianischen Medienberichten stammende, Zahl von 155 Toten bei Gewalt im Fußball in Brasilien von 1988 bis 2012, davon wurden 103 Opfer von Schußwaffen.

Dienstag, 26. März 2013

Empoli - Bari 0:1 (0:0)

Italien, Serie B, 33a giornata, 24.3.2013
Stadio Carlo Castellani, 2.840

Eine überaus unglückliche Niederlage für Empoli, denn die Heimischen machten von Beginn an das Spiel und waren klar besser. Sie schafften aus ihrer Dominanz aber keinen Torerfolg, und das eine Stunde lang gegen zehn Gegenspieler. Die konternden Gäste aus Bari hingegen schossen ein Goldtor. Ein nicht gegebenes Elfmeterfoul für Empoli sah aus, als ob ein Pfiff berechtigt gewesen wäre.
Der Empoli Football Club wurde 1920 gegründet, zwischen 1931 und 1944 wurde der Verein zwischenzeitlich in Associazione Sportiva Fascista oder Dopolavoro umbenannt. Von 1945/46 bis 1950/51 spielte man erstmals in der Serie B, die man dann erst 1982/83 wieder erreichte. 1985/86 bis 1987/88 spielte man dann erstmals in der Serie A. In den 1990ern ging es zunächst einmal bis in die dritte Liga hinunter, 1996 hatte man es aber wieder in die erste Liga geschafft. Seither pendelt Empoli zwischen Serie A und Serie B, wo man sich nunmehr bereits seit 2007 befindet.
Das Stadio Carlo Castellani wurde 1965 eröffnet und ersetzte einen gleichnamigen Vorgängerbau. Die Kapazität liegt bei 19.847 Plätzen. An den Längsseiten des weitläufigen Stadions stehen überdachte große Tribünen, in den Kurven Stahlrohrgerüste. Die der Haupttribüne gegenüberliegende Längsseitentribüne Maratona kam 1983 provisiorisch und 1990 in fester Bauweise hinzu, blieb aber noch bis 2007 ohne Dach. Nach dem frühen Unfalltod eines Anführers der Ultrasgruppe Desperados 1983, Emiliano del Rosso, wurde der untere Rang nach ihm benannt. Da in den Kurven jahrzehntelang keine Tribünen standen, sind die Ultras hier links der Mittellinie zuhause.
Das Stadion ist nach dem Empoli-Spieler und Rekordtorschützen Carlo Castellani benannt. In den 1940ern leistete er Widerstand gegen die faschistische Herrschaft und die nazideutsche Besatzung. Er wurde verhaftet und ins KZ Mauthausen in Oberösterreich deportiert, wo er 1944 umgebracht wurde.
Ein kurzer Blick wurde in das Stadtzentrum von Empoli geworfen, nachdem bereits am Nachmittag ein erstes Fußballspiel in Livorno besucht worden war.







































Livorno - Virtus Lanciano 2:0 (1:0)

Italien, Serie B, 33a giornata, 24.3.2013
Stadio Armando Picchi, 4.723

Ein klarer und verdienter Heimsieg von Livorno der Marke schnörkellos. Die Mannschaft bleibt weiter auf Aufstiegskurs.
Ein Begriff ist AS Livorno vor allem aufgrund der Fanszene der 90er und frühen 2000er Jahre. Sie waren für ihre Militanz sowohl in linksextrem-politischer als auch gewalttätiger Hinsicht berühmt-berüchtigt. Vor allem letzteres konnte nicht gut gehen, hunderte Stadionverbote leerten die Kurve und brachten sie zum Verstummen. Ihr betont kommunistisches Auftreten sicherte ihnen aber auch bereits vor 2007 genügend staatliche Aufmerksamkeit. Seit einem Jahr wächst der Support wieder. Die Anzahl der Mitmachenden ist wohl in Summe gering, aber es gibt Schlechteres und es gefiel. Das Spruchband, in dem der mit einem Hitlergruß aufgefallene Grieche Giorgos Katidis als „Sohn von Troja“ verunglimpft wurde, zeugte von guter Bildung und Gewandtheit in der Kunst des Untergriffs. ;-)
Der Auswärtsmob aus Lanciano war verhältnismäßig zahlreich und supportete aktiv. Ins Auge stochen zwei Los Gauchos (?), einer davon mit Sombrero und überdimensionaler Plastikbanane.
Die Associazione Sportiva Livorno Calcio wurde 1915 gegründet, und zwar aus einer Fusion der Vereine SPES und Virtus als US Livorno. Die größten Erfolge waren bislang zwei italienische Vizemeisterschaften 1920 (Finalniederlage gegen Inter) und 1943 (zweiter Tabellenplatz hinter Torino). US Livorno war 1929 Gründungsmitglied der Serie A, wo man bis 1949 spielte. Nach dem Erstligaabstieg ging es bald weiter in die Serie C hinunter, nur 1955/56 und 1964 bis 1972 durch Zweitligasaisonen unterbrochen. Nach Lizenzentzug 1991 begann man in der sechsten Liga neu. 2001 kehrte man in die Serie B zurück und 2003 folgte eine umjubelte Rückkehr in die Serie A nach mehr als einem halben Jahrhundert. Fünf Jahre dauerte es, dann folgte ein Auf und Ab: 2008 ging es hinunter, 2009 hinauf, 2010 wieder runter. Heuer ist der Aufstieg wieder drin.
2006/07 gelangte Livorno durch die Zwangsabstiege und Punkteabzüge infolge des Calciopoli-Skandals in den UEFA-Cup und spielte dabei u.a. gegen und in Pasching.
Mit Jürgen Prutsch stand hier bis zum Winter ein Österreicher im Kader (seit 2010), jetzt ist er zu Barletta verliehen. 1934 und 1935 arbeiteten hier Franz Hansl (italianisiert als Francesco Hansel) und Karl Stürmer als Trainer. Stürmer wurde 1943 von deutschen Soldaten erschossen.
Das Stadio Armando Picchi wurde 1935 eröffnet. Damals hieß es Stadio Edda Ciano Mussolini, benannt nach der Tochter des Diktators. Als erstes Spiel wurde hier ein Länderspiel des B-Teams Italiens gegen das B-Team Österreichs ausgetragen (0:0). Nach 1945 hieß das Stadion dann Yankee Stadium, weil die US-Soldaten hier American Football spielten, sowie Stadio di Ardenza. 1990 wurde es nach dem in Livorno geborenen Armando Picchi benannt, der in den 1960er Jahren mit Inter dreimal italienischer Meister geworden war und zweimal den Europacup der Meister gewonnen hatte. Die Kapazität des Stadions beträgt 19.238 Plätze. Abseits des Innenraums ist die Baufälligkeit an vielen Stellen bemerkenswert, vor allem die aus dem Beton heraustretenden, freiliegend vor sich hin rostenden Stahlstäbe. Möglicherweise ist das der Grund, weswegen die Ordner Bauhelme tragen.
Die Hafenstadt Livorno wurde im Zuge des Aufenthalts erkundet. Nach dem Match ging es gleich weiter zum Abendspiel ins nahe Empoli.