Samstag, 9. Dezember 2017

Rapid - Mattersburg 2:2 (0:0)

Bundesliga, 19. Runde, 9.12.2017
Weststadion, 14.400

Solche Rapidspiele zermürben. Rapid spielt und spielt, aber trifft nicht ins Tor. Das geht jetzt schon lange so und more of the same scheint nicht die taugliche Abhilfe zu sein. Prosenik bekommt nur hie und da Minuten zu spielen und rechtfertigte seine Einwechslung diesmal wenige Augenblicke später mit dem Ausgleichstor. Zuvor hatten ein Joelinton-Weitschuss den Anschlusstreffer gebracht nachdem die Mattersburger in kurzer Folge zweimal getroffen hatten während Rapid am laufenden Band an sich selbst scheiterte. Unzufriedenheit.
Steffen Hofmann wird weiter de facto nur als Trainingsgast behandelt, der bei Spielen auf der Tribüne sitzen darf.
In der Pause wurde vom Block West eine Spende von 65.000 € dem Kinderhospiz Netz übergeben. Die Rekordsumme wurde trotz weniger Heimspielen durch fehlenden Europacup vom Block West in den letzten Wochen für den karitativen Zweck gesammelt.
Bereits vorige Woche hat die Statue des Mr. Rapid Dionys Schönecker einen neuen Standort vor dem Block West bekommen.
Im Weststadion waren laut offizieller Angabe mehr Zuschauerinnen und Zuschauer als beim letzten Heimspiel, es sah aber leerer aus.

Polska Kibolska, 2




Rezension


Polska Kibolska
Nr. 2 (2017)
76 S.








Nach der vielversprechenden Premierenausgabe bietet auch die zweite Ausgabe von Polska Kibolska einige tiefere Einblicke in die polnische Fanlandschaft. Interessant sind dazu hier insbesondere zwei ältere Stücke, nämlich ein Interview mit Leuten von Polonia Bytom aus dem Jahr 2011 sowie Buchauszüge eines ŁKS-Anhängers von 1999, die ihre Hooligan-Geschichten erzählen.

Nach der Krakau in der letzten Ausgabe wird diesmal hier die Derbystadt Łódź und ihre Aufteilung genauer beleuchtet, garniert mit persönlichen Erinnerungen des Autors an Derbys zwischen ŁKS und Widzew seit 1997 sowie einem Bericht von der letzten Begegung im neuen Widzew-Stadion im Frühjahr.

Durchaus nachdenken lässt einen unter den Spielbesuchsberichten von Mai und Juni 2017 im polnischen Unterhaus der Bericht vom Spiel Beskid Andrychów gegen Unia Oświęcim vom Mai dieses Jahres und vor allem die übersetzt abgedruckten unmissverständlichen Verbote für auswärtige Interessierte, die zuvor ausgesprochen worden waren: „Wir als Gruppe ‚Ultras Beskid‘ wünschen uns an diesem Tag KEINERLEI Groundhopper und andere derartige Gestalten in unserem Stadion. Einzig und allein Personen, die uns bekannt sind und denen wir vertrauen, können sich an diesem Tag frei im Stadiongelände bewegen. Sollte irgendwer mit dieser Ansage nicht einverstanden sein oder versuchen inkognito sein Ding durchziehen zu wollen, werden wir denjenigen aus dem Stadion befördern und seine Foto-Gerätschaften im nahegelegenen Fluss versenken.“ Einige Tage später nocheinmal um eine Präzisierung des Groundhopperverbots im ganzen Stadion ergänzt, falls jemand an der Ernsthaftigkeit in Absicht und Umsetzung zweifeln würde: „Wir werden sämtliche verdächtige Personen, die an diesem Tag vor den Stadiontoren auflaufen, einer Überprüfungen unterziehen und im Zweifelsfalle nicht ins Innere lassen oder eben nach draußen manövrieren. Es spielt Beskid, das ist unser Feiertag und wir wünschen uns somit niemanden unter uns, den wir nicht kennen.“ Man kennt ja sich selbst und andere.

Daneben gibt es noch weitere Prügelei-Geschichten von einem Länderspiel Polen-England 1999 und die interessante Rubrik „Leser fragen − Polska Kibolska antwortet“, die sich zu einer spannenden Sache auswachsen könnte.

Freitag, 8. Dezember 2017

When Saturday Comes, 370


Rezension


When Saturday Comes
The Half Decent Football Magazine
Issue 370, December 2017
48 S.








Im Match Of The Month dieser Ausgabe besuchte Huw Richards im Oktober West Ham United gegen Brighton & Hove Albion (0:3) „The London Stadium still may not feel like home to many West Ham supporters but, unlike their visitors, at least they did not have to endure nearly two decades in exile before they could move in to their new ground. The home side’s problems are not all to do with their surroundings, though, while Brighton are enjoying Premier League life.“ Während das ehemalige Londoner Olympiastadion ein unpersönlicher, kalter Spielort ist, war das neue Stadion von Brighton meiner Erfahrung nach zwar ein emotionaler Ort, aber bekam für die Lage fern der Stadt im Niemandsland Minuspunkte.

Diverse Texte behandeln diverse Nationalmannschaften, die sich nicht für die WM qualifiziert haben. In der Saisonrückblicks-Rubrik widmet man sich diesmal der Serie A 1999/2000.

Donnerstag, 7. Dezember 2017

11 Freunde, 192


Rezension


11 Freunde
Magazin für Fußballkultur
Nr. 192, November 2017
120 S.







Im April 2017 wurden Fans von Bayern München in der Halbzeitpause des Champions-League-Viertelfinalspiels im Auswärtssektor des Estadio Bernabéu von der hineinstürmenden spanischen Polizeieinheiten zusammengeschlagen. Wie das die spanische Polizei eben gerne macht, wenn sie Menschenansammlungen gegenübersteht. Ein Artikel im Heft berichtet über Fans, die nun dagegen vor Gericht klagen wollen.

Die Titelgeschichte ist ein etwas zu langatmiger Essay über die Karriere von Wayne Rooney. Eine nicht ganz uninteressante historische Fußnote ist die Geschichte des damaligen Stadionsprechers von Kaiserslautern, der sich wahrscheinlich 1977 oder 1978 „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ hatte einfallen lassen. Weiters gibt es in der Ausgabe auch noch einen Artikel über Rekrutierungsmuster von Neonazis in Fankurven. Immer wieder nett ist es, Geschichten über Diego Maradona zu lesen, diesmal: Maradona als Trainer eines Zweitligisten in den arabischen Emiraten.

Der beigelegte Stadionposter zeigt das Stadion am Quenz von Stahl Brandenburg. Am Bild sind hier noch seine charakteristischen Flutlichtmasten zu sehen, die kürzlich in einem Akt von Kulturbanausentum trotz Protesten abgerissen statt saniert wurden.

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Zeitspiel 9



Rezension


Zeitspiel
Magazin für Fußball-Zeitgeschichte
#09 (III/2017)
100 S.







Die vielfältige und geschichtsträchtige Fußballstadt Leipzig (Gründungsstadt des DFB 1900, VfB Leipzig erster deutscher Meister 1903) steht im Zentrum dieser Ausgabe (37 Seiten). „Keine vergleichbare Stadt in Deutschland hat ein derartiges Spektrum zu bieten. Auf der einen Seite das kantenfrei geformte Marketingprodukt RB, das für viele Leipziger Fußballfreunde wie ein Segen daherkommt. Auf der anderen Seite ein Klub wie Roter Stern, quasi ein FC St. Pauli in Reinform, bar jeglichem Kommerzgetüddel und gefüllt mit Leidenschaft, klarer politischer Botschaft und tiefer Liebe zum Fußball Zwischen diesen Extremen mäandrieren die reinkarnierten Traditionsgemeinschaften aus DDR-Zeiten, 1. FC Lokomotive und BSG Chemie, sowie mit dem FC International ein Newcomer, der praktisch jedem ein Rätsel aufgibt.“ Diese Fußballvereine sowie das Marketingprodukt werden näher beleuchtet und weitere Leipziger Vereine kurz vorgestellt. Die konfliktreiche und politisch aufgeladene Fangeschichte von Lok und Chemie wird umschifft indem das Thema weitgehend außen vor gelassen wird. Das ist schade und eine Lücke. Gerade bei Chemie gibt es dazu ja umfangreiche Publikationen. Dennoch erfährt man hier viel über die jeweilige Vereinsgeschichte. Ratlos und unschlüssig lässt allerdings die Gesprächsrunde von vier Anhängern der oben genannten Vereine und einem Dosenunternehmen-Kunden zurück.

Faszinierend ob der Arbeit, die dahintersteckt, ist ein Rückblick auf die Saison 2016/17 in der deutschen 3. Liga, den vier Regionalligen und 13 Oberligen. In einem Absatz wird der Saisonerlauf kurz umrissen, kleine Geschichten werden erzählt, die Tabelle abgedruckt und ein besonderes Augenmerk auf die Zahl der Zuschauerinnen und Zuschauer gelegt. Die versammelten Statistiken sind spannend. Ist der Unterschied des Schnitts zwischen Bundesliga (41.515) und 2. Bundesliga (21.738) noch nachvollziehbar, ist der Abstand zur 3. Liga (5.723) dann doch groß. Zwei bemerkenswerte Erkenntnisse sind die Spreizung auf Regionalligaebene (Regionalliga West 1.816 gegenüber Regionalliga Nord 707) und die durch die Bank niedrigen durchschnittlichen Zuschauerinnen- und Zuschauerzahlen in den Oberligen (von 161 in der Oberliga Mittelrhein bis 333 in der Oberliga Nordost-Süd). Natürlich gibt es aber große Unterschiede zwischen den Vereinen. So hatte Chemie Leipzig mit einem durchschnittlichen Besuch von 1.834 in der Oberliga Nordost-Süd mehr Leute im Stadion als vier Drittligisten zwei Spielklassen höher, aber in der gleichen Liga Schott Jena in denselben 30 Saisonspielen nur einen Schnitt von 88 Zuschauerinnen und Zuschauern.

Weitere Themen sind das Stadion von Pirmasens und die Fußballgeschichte von Schweinfurt sowie der DR Kongo.

Sonntag, 3. Dezember 2017

Mosonmagyaróvár - Kisvárda 1:2 (1:1)

Ungarn, NB II, 20. forduló, 3.12.2017
Wittmann Antal park, 300

Die favorisierten Gäste aus Ostungarn gingen auf vom Schnee geräumten, jedoch sichtbar schwierigen Spielfeld bereits nach fünf Minuten durch ein Eigentor in Führung. Mosonmagyaróvár konnte aber ausgleichen und das Unentschieden gegen den Tabellenzweiten bis zehn Minuten vor Schluss halten. Schließlich setzte sich Kisvárda doch durch und konnte die Punkt mit nach Hause nehmen.
Die mit Trommel und Weihnachtsmannhauben ausstaffierten, erstaunlich engagierten Auswärtsfans supporteten ihre Mannschaft über 90 Minuten unaufhörlich mit Anfeuerungsrufen. Sie hatten sichtlich viel Freude am Nachmittag im Westen des Landes, die sie auf ihre Heimreise wohl mitnehmen konnten (470 Straßenkilometer bzw. viereinhalb Stunden von Spielstätte zu Spielstätte).
Der Verein Mosonmagyaróvári TE (MTE) wurde 1904 noch als Magyaróvári Torna Egylet in der vor der Fusion mit Moson selbständigen Stadt Magyaróvár gegründet. Erster großer Erfolg waren die ersten Jahre in der NB II von 1957 bis 1965. Nach langer Drittklassigkeit und zeitweisen Saisonen in der vierten Spielklasse konnte man erst 1997 bis 2008 erneut zweitklassig spielen. Dann ging es wieder hinunter, doch 2016 kehrte man nach acht Saisonen in der NB III in die NB II zurück.
Vor dem Spiel wurde die Stadt Mosonmagyaróvár besichtigt.