Donnerstag, 30. März 2017

11 Freunde, 184


Rezension


11 Freunde
Magazin für Fußballkultur
Nr. 184, März 2017
124 S.






Über die Krise von Mainz 05, denen in der Bundesliga und sogar im Europacup die Zuschauerinnen und Zuschauer ausbleiben, berichtet ein Artikel. Neben anderen Faktoren spielt dabei das neue Stadion eine große Rolle, das fernab der Stadt zwischen landwirtschaftlichen Nutzflächen und Straßen errichtet wurde. „Fußläufig ist hier nichts mehr, wer nicht zu den wenigen Dauerkarteninhabern oder VIP-Gästen gehört, die auf dem Parkplatz am Stadion parken dürfen, wird vom Shuttleservice knapp tausend Meter vor der Arena in die Wildnis gespuckt. Ein Schmuckloser Weg führt am Acker vorbei gen Bundesligafußball.“ heißt es. Kein Vergleich mit dem innerstädtischen Umfeld des alten Stadions.

Ein Reportagebesuch bei den Gründern der Fortuna Eagles von Fortuna Köln als ältester Ultragruppe in Deutschland ist interessant. Die Schmerzensgeschichte eines sportinvaliden Fußballprofis ist es auch, wenngleich etwas mehr redaktionelle Einbettung bei so einer subjektiven Geschichte nicht geschadet hätte. Die aus dem Internet übernommene Fotostory #floodlightporn über Flutlichtmasten in aller Welt ist schön.

Das Stadionposter zeigt das Karlsruher Wildparkstadion und informiert ein wenig über seine Geschichte.

Sonntag, 26. März 2017

Wiener Sport-Club - Prater SV 2:1 (0:1)

Wien, 2. Klasse B, 24. Runde, 26.3.2017
Wiener Sportklub Trainingszentrum, 40

Der Wiener Sport-Club geriet zwar in der ersten Halbzeit in Rückstand, konnte die Partie aber nach der Pause drehen und gewinnen. Der Sieg in einem vorgezogenen Spiel der 24. Runde gegen den Prater SV war der erste Pflichtspielsieg der zu Saisonbeginn frisch zusammengestellten Mannschaft des WSC seit Oktober.
Gespielt wurde am Kunstrasenplatz des Trainingszentrums des Wiener Sportklubs in der Ottakringer Erdbrustgasse. Die 1907 gegründete Fußballsektion des 1883 gegründeten Wiener Sport-Club war im Herbst 2001 in einer Finanzkrise des Vereins eingestellt und der Spielbetrieb vom neugegründeten Wiener Sportklub übernommen worden. Der WSC bestand mit seinen anderen Sportsektionen und den Schulden fort. Nach jahrelangen Kabalen um die Wiedervereinigung der beiden Vereine einigte man sich 2016 auf ein Modell der sogenannten „Rückführung“. Der Wiener Sport-Club (C) rief eine neue Fußballsektion ins Leben, die 2016/17 in der Wiener 2. Klasse B den Spielbetrieb aufnahm, um sich nach Ablauf der Saison mit dem Regionalligaverein Wiener Sportklub (K) zu vereinigen. Der Wiener Fußballverband erlaubt nur eine Fusion zwischen Fußballvereinen, daher war diese Übergangssaison mit parallelem Spielbetrieb notwendig.
Mit 25. März wurde die Crowdfunding-Aktion One Wiener Sport-Club gestartet, um bis Mai 60.000 Euro zu lukrieren. Von der alteingesessenen Anhängervereinigung sowie der Friedhofstribüne wurde auch bereits gesammelt, um das Ziel von 100.000 Euro als Beitrag der Fans zur Entschuldung als Voraussetzung für den Zusammenschluss der beiden Vereine aufzubringen. Neben anderen Aktivitäten soll u.a. eine Veranstaltungsreihe Geld hereinbringen. Auf dass es nicht mehr heißen muss „Zwei Vereine sind einer zu viel“ wie zuletzt auf der Hohen Warte.
Bis dahin kann man dem Wiener Sport-Club beim ambitionierten achtklassigen Fußball zuschauen. Der Kassier der WSC-Fußballsektion verkauft hier nicht Eintrittskarten (Eintrittsgeld gibt es in dieser Spielklasse nicht, freie Spende) sondern beschenkt die Zuschauerinnen und Zuschauer mit Zuckerln.

Vienna - Rapid 0:4 (0:3)

Rettungsspiel, 26.3.2017
Hohe Warte, 6.200

Als die Vienna im Winter ihre Pleite bekanntgab, bot Rapid ein Benefizspiel an. Es wurde als „Rettungsspiel“ beworben und brachte offiziell 6.200 Zuschauerinnen und Zuschauer auf die Hohe Warte. Es werden wohl einige mehr gewesen sein, vielleicht waren es 7.000 bis 8.000.
Der Nachmittag begann mit einem Legendenspiel, in dem Christian Keglevits eine illustre Rapid-Legendenmannschaft gegen eine Vienna-Legendenmannschaft u.a. mit Goalie Jürgen Macho auf das Feld führte. Man trennte sich freundschaftlich unentschieden 2:2. Florian Sturm feierte sein Tor für Rapid vor dem Block West mit einer Erinnerung an Rubin Kazan.
Zum Hauptspiel füllten sich die Tribünenränge ebenso wie die Abhänge, wo fröhliche Picknickstimmung herrschte. An solchen Tagen entwickelt dieses Naturstadion eine besondere Faszination. Auf Seiten Rapids supportete der Block West die Mannschaft und gab ihr für die Pflichtspiele mit, nicht aufzugeben und zu kämpfen. Der Support zeigte, dass dies kein normales Testspiel war. Der Vienna-Fanblock zeigte ein Intro zum Thema des Überlebens der Vienna „Sie war − sie ist − sie bleibt“. Dazu gab es u.a. Spruchbänder für einen Stadionverbotler sowie ein an Rapid und den zahlreich erschienen Rapid-Anhang gerichtetes „Vielen Dank für eure Hilfe!“ Bitte!
Für Rapid brachte das Freundschaftsspiel in der Länderspielpause die Möglichkeit, nach langer Serie ohne Sieg einmal unverkrampft spielen zu können und vielleicht etwas Selbstvertrauen aufzubauen. Einige Amas-Spieler kamen zum Einsatz und ergänzten die Spieler der Kampfmannschaft, von denen einigen eine Pause gegönnt wurde. Kapitän Steffen Hofmann wurde zur Bewerbung des Spiels eingesetzt, spielte aber nicht. Im Tor stand Strebinger.
Im Mittelpunkt des Nachmittags stand die Hoffnung auf Rettung und finanzielle Sanierung des ältesten Fußballvereins Wiens und Österreichs. In die Zwickmühle hatte den Verein gebracht, sich einem Sponsor auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu haben. Die Vienna wird nächste Saison eine Liga tiefer, in der Wiener Stadtliga, antreten müssen und einen harten Weg vor sich haben. Da können dieses Spiel und seine Begleitumstände nur ein Schritt gewesen sein. Aufliegende Folder berichteten von einem demnächst startenden Crowdfunding, mit dem man 50.000 Euro aufstellen will.